Giraffenschule

  • von Sonja Pfänder
  • 20 Aug, 2016
Wir haben es tatsächlich geschafft! Wir haben eine Zeltschule gebaut! Heute war ein wunderwunderwunderschöner Tag mit einer tollen Eröffnungsparty für unsere Schule.
Auf dem Weg zur Schule haben wir erstmal für über 1100$ Lebensmittel gekauft. Im Lager haben wir das dann auf 50 Tüten (für jede Familie eine) verteilt.

Aber das Allerwichtigste war natürlich die Party. Unser Lehrer Yehya Alfares und seine Frau haben gestern Nacht noch Teppiche ausgelegt und einen Tisch mit Stühlen in die Schule rübergebracht, damit wir den traditionellen Kuchen anschneiden und Getränke an die Kinder verteilen konnten.

Da alle Kinder gleichzeitig zur Party in der Schule waren (für den Unterricht werden sie in drei Schichten eingeteilt) war es unglaublich heiß. Heute hatten wir erstmals ein Thermometer, Außentemperatur war heute 46 Grad in der Sonne, in der Schule hatte es dann auf jeden Fall 50. Deshalb brauchten wir natürlich unbedingt eine Abkühlung, sehr zur Freude der Kinder mit Sprühschnee!

Ich habe auch einen Rundgang durch die Schule für euch gemacht, damit Ihr eine bessere Vorstellung habt und muss mich schonmal vorneweg entschuldigen, dass ich das nicht VOR der Party gemacht habe, als noch alles schön und ordentlich war, aber die Kinder waren so aufgeregt und konnten keinesfalls länger warten, deswegen seht ihr jetzt leider nur den post-Party-Zustand der Schule, aber Yehya wird dafür sorgen, dass sie Montag früh wieder tipp-topp ist für den ersten Schultag!

Am meisten haben sich die Kinder über die Fotos gefreut, aber weil Lehrer überall auf der Welt Spaßbremsen sind , hat Yehya sie eingesammelt.

Er hatte die tolle Idee, sie alle im Klassenzimmer aufzuhängen, so seid Ihr Tumblingerkinder praktisch bei jeder Unterrichtsstunde dabei!

Ihr dürft jedenfalls sehr stolz auf euch sein, Ihr habt eine tolle Schule auf die Beine gestellt!

Eröffnung unserer Zeltschulen

von Sonja Pfänder 15 Jul, 2017

Heute haben wir uns schon morgens um 5 Uhr auf den Weg nach Bekaa gemacht, damit ich vor der Eröffnung genügend Zeit habe, in wirklich jedes Zelt des Phoenix-Camps zu gehen, mit den Familien zu sprechen, mir ihre Lebensumstände und ihren Gesundheitszustand anzusehen.
Ich habe bereits gestern mit einem Beiruter Internisten gesprochen und ihn bezahlt, damit er am kommenden Dienstag einen ganzen Tag im Phoenix Camp ist. Heute habe ich alle Bewohner, die (meiner Meinung nach) medizinische Hilfe brauchen in eine Liste eingetragen und ihnen erklärt, dass die Behandlung am Dienstag kostenlos ist und sie unbedingt hingehen sollen. Von vielen der Kinder wurde ich immer wieder gefragt, was ein Arzt ist; das Konzept "Hilfe", dass etwas, was weh tut, worunter man leidet, tatsächlich gelindert werden kann, ist nichts, womit sie aufgewachsen sind. Eine furchtbare Vorstellung.

4 Stunden dauert es, ehe ich überall war, dutzende Gläser Tee und 37 Seiten Notizen später habe ich mit jedem gesprochen, eine Liste mit den Namen von 41 Kindern und 16 Erwachsenen und kurzen Stichpunkten zu ihren Beschwerden und ihrer Anamnese nehme ich heute Abend zurück nach Beirut und gebe sie dem Arzt, damit er weiß, welche Medikamente er einpacken muss.

Wieder einmal wird mir klar, was für ein Türöffner Lilith und Linus sind, wie viel es den Menschen hier bedeutet, dass ich meine Kinder mit hierher an einen trostlosen Ort wie diesen bringe, fast in jedem Zelt bedanken sich die Bewohner dafür. Was für einen großen Vertrauensvorschuss sie mir dafür entgegenbringen wird in den vielen sehr persönlichen Gesprächen deutlich und wie immer am Eröffnungstag einer neuen Schule hoffe ich, dass wir der Verantwortung für diese Menschen, für das neue Camp der Zeltschule-Familie, gerecht werden können und sie nie enttäuschen müssen.

Noch etwas anderes, was mir Bauchschmerzen bereitete, habe ich gestern Abend organisiert: im Phoenix-Camp gibt es zwei sehr junge, sehr engagierte Lehrerinnen, die aber beide Anfang zwanzig sind und nach ihrem Studium fliehen mussten. Aufgrund der besonderen Bedürfnisse der Kinder im Phoenix-Camp würde ich mich mit einem erfahrenen Lehrer, der ihnen zur Seite steht, aber besser fühlen. Einige von euch werden Baschar schon vom letzten Libanon-Tagebuch kennen, er ist seit über 5 Jahren Lehrer in Ranims Abdallah-Schule, der wir letztes Mal Spielzeug gebracht haben. Er ist unserem Projekt sehr zugetan, hat in seinen Klassen immer exzellente Testergebnisse und ist in unseren WA-Lehrerkonferenzen immer einer der engagiertesten Lehrer, der viele gute Einfälle einbringt. Als ich ihn gestern Abend anrief und ihn fragte, ob er sich (zumindest auf Zeit) einen Tausch vorstellen könnte, war er ohne zu zögern sofort an Bord. Bis auf weiteres werden seine Schüler in Abdallah von einer der Lehrerinnen aus dem Phoenix-Camp übernommen und er wird mit ihrer Kollegin die Phoenix-Kinder unterrichten. Auch er ist bereits bei Sonnenaufgang im Camp und als ich mit meinem Zeltrundgang fertig bin, hat er bereits viele Kinder in der Schule versammelt und ihnen schon erste Lieder und Reime beigebracht.

Dann kommt endlich das, worauf sich alle Kinder (einschließlich meine) am meisten gefreut haben: das Verteilen der Geschenke! Da zur Schuleröffnung erfahrungsgemäß nicht nur die Schulkinder, sondern das halbe Camp kommen, habe ich bereits gestern beschlossen, dass wir die Zwischenwände, die die einzelnen Klassenzimmer abtrennen werden, hochrollen und die Bänke und Tische noch nicht aufstellen, um einen großen Raum für die Feier zu haben.

Beim Gruppenfoto bin ich fassungslos, dass ich vergessen habe, Yehya ein Zeltschule-T-Shirt mitzubringen. "Beim nächsten Mal?" fragt er und in seinen Augen blitzt ganz kurz die zögernde Unsicherheit auf, die ich täglich bei den Kindern aller Camps sehe, wenn wir abends wieder ins Auto steigen: das Immer-wieder-hören-müssen, dass es ein nächstes Mal geben wird, dass wir natürlich wiederkommen.

Nächstes Mal, bestätige ich ihm und er lächelt erleichtert. Er weiß noch nicht, dass ich bereits dabei bin, ein Schengen für ihn zu beantragen, so dass Ranim ihn für unseren nächsten Fundraiser mitbringen kann. Für all seine unverzichtbare Arbeit für uns hat er es verdient, ein paar Tage auf Reisen zu gehen und zu erleben, wie sehr wir ihn hier alle schätzen. Erst gestern habe ich mit seiner Frau darüber gesprochen und mich bei ihr entschuldigt, dass mit jeder weiteren Schule mehr Arbeit auf ihn zukommt, da er ja nicht nur der Lehrer der Giraffenschule ist, sondern der Koordinator und Leiter all unserer Schulen. Sie schüttelte den Kopf und umarmte mich fest. Es sei ihr sehr viel lieber, dass ihr Mann wieder glücklich sei und das Gefühl habe, etwas wichtiges und sinnvolles beizutragen, auch wenn sie ihn dafür nur wenige Stunden am Tag sehe, als dass es wieder so wäre wie vor einem Jahr, wo er zwar immer bei ihr im Zelt war, aber ständig traurig und in sich gekehrt, weil er das Gefühl hatte, vollkommen nutzlos zu sein.

Beim Verteilen der Rucksäcke und Bücher fällt als erstes auf, dass sich die Kinder nicht wie bei den anderen Eröffnungen auf uns und unsere Kartons stürzen, sondern ganz ruhig sitzen bleiben. Dass etwas in den Kisten für sie sein könnte, kommt ihnen gar nicht in den Sinn, das Konzept Geschenk ist ihnen unbekannt. Fast überrascht sind sie, als Lilith und Linus beginnen, die Sachen zu verteilen.

Da es ja aber bei jeder Eröffnung irgendeine Panne geben muss, ist die heutige, dass ich nicht daran gedacht habe, dass wir (anders als bei unseren selbst gebauten Holzgerüst-Zelten) die gemalten Wandbilder und das Holzschild für die Tür nicht einfach mit Hammer und Nagel befestigen können. Ich hätte daran denken müssen, dass sowohl in den Phoenix wie auch in die gemalten Bilder der Tumblingerschule kleine Löcher gemacht werden müssen, um sie dann an einer Schnur am Gestänge des Zeltes zu befestigen. Yehya wird das morgen nachholen.

Die Kinder packen begeistert ihre Rucksäcke mit den wenigen Habseligkeiten aus und sind begeistert. Es ist überwältigend zu sehen, wie wenig ihnen so viel Freude machen kann. Doch im Zelt ist es mittags so heiß, dass wir Angst haben, einige der Kinder könnten uns umkippen, deswegen verschieben wir das Verteilen der neuen Kleidung auf den ersten Schultag am Montag.
"Wenn du nächstes Mal kommst, werde ich schon ganz klug sein!" sagt Luna überzeugt und zögert dann auf die mir schon sehr bekannte Weise.

Es gibt ein nächstes Mal, versichere ich ihr. Bald. 

von Sonja Pfänder 05 Mär, 2017
Weil wir im Libanon sind, musste der letzte Tag natürlich so sein wie der erste: komplett jenseits aller Pläne.
Nicht umsonst heißt ein berühmtes libanesisches Sprichwort: „Wenn du glaubst, den Libanon verstanden haben, hat man ihn dir nicht richtig erklärt.“
Schon im Morgengrauen sind wir bei strahlendem Wetter losgefahren, nur um auf halber Strecke die ersten Sturzbäche aus den Bergen herabfließen zu sehen. In Bekaa hatte es offenbar wieder die ganze Nacht geregnet. Noch von unterwegs schicke ich Yehya eine Nachricht mit der Frage, wie es in den Camps aussieht und erfahre, dass bei unseren Baustellen alles ok ist, dass aber die Straße zu unserem Lagerraum (in einem Gebäudekomplex in Bar Elias) unter Wasser steht und gesperrt wurde. Wir kommen also nicht an unsere Tische, Bänke, Tafeln…..
Da wir aber alles wirklich wichtige (Dialas Gemälde, die Bücher, Rucksäcke uns Spielsachen) Gott sei Dank schon am Tag zuvor in den Lieferwagen geladen haben, beschließen wir, die Schulen unmöbliert zu eröffnen und Yehya baut die Tische und Bänke am Montag auf, sobald die Straße zum Lager wieder befahrbar ist.

Das ist eine gute Entscheidung, denn bei den Pinguinen werden wir schon erwartet.
Aber zuerst müssen wir uns natürlich noch um die Optik kümmern. Aus mehreren Gründen haben wir uns schon Anfang der Woche entschieden, Dialas Gemälde diesmal innen aufzuhängen. Erstens sind sie so wunderschön, dass wir sie an einem geschützten Ort bewahren und bewundern wollen, zweitens ist es aber auch so, dass wir im Moment sehr schnell expandieren (die Löwenschule wird in wenigen Wochen auch noch folgen) und so wenig Aufmerksamkeit wie möglich auf uns und diese Tatsache ziehen wollen. Die Schulen sollen möglichst unauffällig, also wie normale Zelte aussehen.
Danach kommt endlich Liliths Lieblingsteil: das Verteilen der Rucksäcke und Bücher (bitte denkt dran, dass wir für die Pinguinkinder noch Spielsachen brauchen!
Allerdings sind plötzlich sehr viel mehr Kinder in der Schule, als auf unserer Liste stehen, denn wenn es Geschenke gibt, wollen natürlich auch die Kleineren was. Um halbwegs den Überblick zu behalten, muss Yehya schließlich alle Kinder beim Namen aufrufen und lässt nur die von der Liste auch wirklich in die Schule zu mir. Erst wenn alle Schulkinder ihre Sachen bekommen haben, geben wir den Rest an kleinere Geschwisterkinder.
Das nehmen wir schon mal als wichtige Lektion mit für den Bau der Löwenschule in ein paar Wochen: bei fast 250 registrierten Schulkindern in dem Camp müssen wir mit 500-600 Kindern insgesamt bei der Eröffnung rechnen.

Dann geht es weiter zu den Tigern. Auch hier hängen wir zuerst Dialas Gemälde auf.

Und auch hier herrscht freudiges Erwartungschaos……

Wie auch beim letzten Mal haben sich die Kinder unglaublich über die Fotos in den Rucksäcken und über die Bücher gefreut. In der Tigerschule wird natürlich auch das Foto der Türkheimer Grundschule, die die Patenschaft für die Tiger und die kommende Löwenschule übernommen hat, einen Ehrenplatz bekommen, sobald die Einrichtung am Montag in der Schule angekommen ist.
Wir haben noch tausend Fotos und 1000 Eindrücke, aber da wir uns nun bald auf den Weg zum Flughafen machen müssen, lade ich alle Erwachsenen, die mehr erfahren und mehr sehen wollen, herzlich am 4. April um 19.00 Uhr ins Paulaner Bräuhaus (Kapuzinerplatz 5, 80337 München) zu unserem Infoabend ein, die Tumblingerkinder besuche ich mit Vorträgen am 28.3. und bei den Türkheimer Kindern schaue ich auf einen Besuch vorbei, sobald auch deren zweite Patenschule, die Löwen, steht.
Auch die Geschichte von Dou‘ a musste ich euch schuldig bleiben, weil die ganze Woche so viel anderes passiert ist, dass dafür keine Zeit blieb, auch die werde ich beim Infoabend und bei den Vorträgen nachreichen. Nur so viel: sie war heute sehr glücklich, nicht nur weil seit dem Ende ihrer letzten Chemo vor 4 Monaten endlich wieder ihre Haare nachwachsen, sondern weil heute die Kinder im Camp auch endlich die Schule bekommen haben, auf die sie ihretwegen so lange warten mussten.
Bis bald!
von Sonja Pfänder 20 Aug, 2016
Wir haben es tatsächlich geschafft! Wir haben eine Zeltschule gebaut! Heute war ein wunderwunderwunderschöner Tag mit einer tollen Eröffnungsparty für unsere Schule.
Auf dem Weg zur Schule haben wir erstmal für über 1100$ Lebensmittel gekauft. Im Lager haben wir das dann auf 50 Tüten (für jede Familie eine) verteilt.

Aber das Allerwichtigste war natürlich die Party. Unser Lehrer Yehya Alfares und seine Frau haben gestern Nacht noch Teppiche ausgelegt und einen Tisch mit Stühlen in die Schule rübergebracht, damit wir den traditionellen Kuchen anschneiden und Getränke an die Kinder verteilen konnten.

Da alle Kinder gleichzeitig zur Party in der Schule waren (für den Unterricht werden sie in drei Schichten eingeteilt) war es unglaublich heiß. Heute hatten wir erstmals ein Thermometer, Außentemperatur war heute 46 Grad in der Sonne, in der Schule hatte es dann auf jeden Fall 50. Deshalb brauchten wir natürlich unbedingt eine Abkühlung, sehr zur Freude der Kinder mit Sprühschnee!

Ich habe auch einen Rundgang durch die Schule für euch gemacht, damit Ihr eine bessere Vorstellung habt und muss mich schonmal vorneweg entschuldigen, dass ich das nicht VOR der Party gemacht habe, als noch alles schön und ordentlich war, aber die Kinder waren so aufgeregt und konnten keinesfalls länger warten, deswegen seht ihr jetzt leider nur den post-Party-Zustand der Schule, aber Yehya wird dafür sorgen, dass sie Montag früh wieder tipp-topp ist für den ersten Schultag!

Am meisten haben sich die Kinder über die Fotos gefreut, aber weil Lehrer überall auf der Welt Spaßbremsen sind , hat Yehya sie eingesammelt.

Er hatte die tolle Idee, sie alle im Klassenzimmer aufzuhängen, so seid Ihr Tumblingerkinder praktisch bei jeder Unterrichtsstunde dabei!

Ihr dürft jedenfalls sehr stolz auf euch sein, Ihr habt eine tolle Schule auf die Beine gestellt!
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